Remote Management

Führen auf Distanz in KMU

Remote Management

Erste Hilfe für Führen auf Distanz

Die Corona-Pandemie stellt die Arbeitswelt auf den Kopf. Nicht jeder Betrieb war vor der Krise bereits auf mobiles Arbeiten eingestellt. Neben der erforderlichen IT-Struktur und Vertrauensarbeitszeit muss auch Führen auf Distanz in vielen KMU erst etabliert werden. Ich bin heute im Gespräch mit Mag. Sabina Haas Wirtschafts-,  Organisations- und Arbeitspsychologin. Wir gehen der Frage nach wie Führung auf Distanz in KMU gelingt und welche Gewohnheiten aus dieser Zeit im üblichen Arbeitsalltag Einzug halten werden.

strategit: Bevor wir tiefer thematisch eintauchen, würde ich mich sehr freuen, wenn du uns etwas zu deiner Person und deinem Werdegang erzählst

www.sabinahaas.atHaas: Ich bin Psychologin, Management-Coach und ganzheitliche Karriereentwicklerin mit 20+ Jahren im internationalen Finanzdienst-leistungsbereich und 10 Jahren als selbständige Coach und Unternehmensberaterin. Ich begleite meine KlientInnnen bei erfolgreichen beruflichen Veränderungen und individueller Potenzialentfaltung.

Voraussetzungen für Remote-Arbeit

strategit: In zahlreichen KMU  war Remote arbeiten bisher noch kein Thema. Die Teams in diesen Betrieben sind eine Präsenzkultur gewohnt. Nun sollen die Mitarbeitenden virtuell genauso produktiv bleiben. Welche Voraussetzungen braucht es deiner Erfahrung nach, damit das Vorhaben gelingt?

Haas: Aus internationalen Studien weiß man, dass virtuelle Teams, die gut gemanagt sind, besser und effizienter arbeiten können, als herkömmliche Teams. Jedoch wird auch gezeigt, dass rund 30% der virtuell arbeitenden Teams bei der Zielerreichung scheitern. Nur ca. 25% der Mitarbeitenden und der Führungskräfte haben eine entsprechende Ausbildung zum Thema virtuelle Zusammenarbeit.

Die Herausforderungen bestehen in den folgenden Bereichen:

Im Bereich der Business-Challenges soll die Führungskraft als „Enabler“ fungieren: es braucht eine gute Verbindung zwischen den Mitarbeitenden und ihren Führungskräf-ten. Außerdem müssen Performance-Risiken gut gemanagt werden. Auch wechselseitige Abhängigkeiten, Missverständnisse und technische Probleme müssen zeitnah behoben werden.
Die psychologischen Herausforderungen beziehen sich darauf, dass persönliche ver-trauensvolle Beziehungen noch wichtiger werden. Die Zusammengehörigkeit muss gestärkt werden, um Isolationsgefühlen vorzubeugen. Wichtig ist es, die Menschen in ihren Fähigkeiten der Selbststeuerung und Selbstdisziplin zu unterstützen.
Zu den Herausforderungen im Management zählt auch der erlebte Kontrollverlust der Führungskräfte.

Führen auf Distanz in KMU

strategit: Sabina, was sind für dich die grundsätzlichen Themen im Zusammenhang mit virtueller Führung? Welche Vorteile kann das Führen auf Distanz in KMU hervorbringen? Welcher Mitarbeitertypus wird bei virtueller Führung besonders viel Zuwendung brauchen?

Haas: Man kann sagen, dass eine Schlüssel-Qualität beim remote-Führen das Vertrauen ist. Wenn die Führungskraft Vertrauen in ihre Mitarbeitenden hat, arbeiten Remote-Teams meistens sehr effizient. Ein weiterer Faktor ist das aktive Lösen von Problemen und das Konfliktmanagement.
Schwierigkeiten kann es geben, wenn Mitarbeitende grundsätzlich schlecht motiviert sind. Oder gar eine fragliche Einstellung zu ihren Aufgaben bzw. zur Organisation haben.

strategit: Hast du bereits hilfreiche Tools für das Führen auf Distanz erprobt?
Ist etwas Empfehlenswertes dabei, dass du uns hier vorstellen willst?

Haas: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es immer sehr stark auf die Qualität der Beziehung zwischen den Führungskräften und den Mitarbeitenden bzw. auf die Beziehungen innerhalb des Teams ankommt. Und in Zeiten wo remote Arbeit im Vordergrund steht, wird dieser Beziehungsaspekt noch wichtiger.

15 Erste-Hilfe-Punkte für Remote Management

Selbstmanagement

1. Definieren Sie ein funktionierendes Morgenritual
2. Richten sie ihren Arbeitsplatz gut ein
3. Definieren sie (selbst) ihre Arbeitsstunden, halten sie sich daran.
4. Bleiben sie in Verbindung mit ihrer Führungskraft und mit Ihren KollegInnen

Beziehungsmanagement

5. Führen sie eine Team-Routine ein und halten sie sich dran: ein kurzes, regel-mäßiges Team-Ritual wie zum Beispiel eine virtuelle Kaffeepause
6. Interessieren sie sich dafür, wie es ihren Mitarbeitenden geht, machen sie kurze „wie geht’s“ –Anrufe zwischendurch; achten sie besonders auf Zwischentöne, Stimme, Stimmung, Aussehen und nehmen sie subtil und einfühlsam wahr.

Performance

7. Geben sie ihren Mitarbeitenden mehr Autonomie; diejenigen wissen selbst, wie sie am besten arbeiten
8. Messen sie den Erfolg am Ergebnis; es geht darum, was erreicht wird und nicht wie der Weg dorthin ist.

Motivation

9. Achten sie auf ihre Kommunikation: aktives Zuhören, Anerkennung aussprechen, paraphrasieren als Möglichkeit für besseres Verständnis, Empathie und emotionales Verständnis, eher Fragen stellen als zu viel erklären und selber reden
10. Seien sie für ihre Mitarbeitenden verfügbar, auch außerhalb der regulären Ar-beitszeit
11. Kommunizieren sie öfter mündlich, rufen sie eher an, anstelle von E-Mail-Schreiben
12. Machen sie die Ergebnisse ihres Teams in der Organisation gut sichtbar

Prozess

13. Hilfreich sind klare Regeln über Emails und Prioritäten. Man kann klar verein-baren, wie Betreffzeilen gestaltet werden z.B.: bei (1) ist eine Antwort am selben Tag notwendig….
14. Gestaltung von Team-Meetings: teilen sie Agenda-Punkte ihren Mitarbeitenden zu, reden sie nicht immer nur selbst
15. Seien sie freundlich zueinander, geben sie ihren gemeinsamen Gesprächen beratende Funktion, haben sie Geduld und seien sie versöhnlich im Umgang miteinander

strategit: Sabina, welche Gewohnheiten, Tools oder Methoden, werden sich deiner Meinung nach bewähren und später auch im normalen Arbeitsalltag Einzug halten?

Haas: Wir erleben einen fulminanten Digitalisierungsschub in allen Bereichen unserer Arbeit und unseres Verhaltens. Alle Unsicherheiten – sowohl it-technisch, security-technisch, organisatorisch, verhaltensabhängig und Know-How-gesteuert, wurden plötzlich über den Haufen geworfen. Viele Menschen fühlten sich plötzlich ins kalte Wasser geschubst. Wir mussten alle schnell schwimmen lernen. Die Erfahrung, dass viele Dinge remote gut funktionieren, verändert ganze Weltbilder. Sie eröffnet aber auch neue Möglichkeiten, die sonst vielleicht nicht oder noch nicht bestanden hätten. Das wird unsere Arbeitsweise und den Umgang mit Technologie über sämtliche Generationen hinweg, nachhaltig verändern.

strategit: Abschließend noch eine Frage: Was macht dein Unternehmen besonders? Warum arbeiten Unternehmen und ihre Mitarbeiter gerne mit dir?

Haas: Meine Kunden schätzen an mir, dass ich eine Sparringpartnerin bin, mit der man gänzlich neue Sichtweisen entwickeln kann. Sie mögen meine absolut wertschätzende Haltung sowie mein modernes, offenes, liberales und humanistisches Menschenbild. Sie wissen, dass ich den Menschen und seine Bedürfnisse immer in den Mittelpunkt stelle. Und nicht zuletzt und meine Ruhe, Gelassenheit und meinen Humor.

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