Widerstandskraft – auf diese Ressourcen stützen sich Unternehmen in der Krise

Widerstandskraft - auf diese Ressourcen stützen sich Unternehmen in der Krise
Bild von Christine Schmidt auf Pixabay

COVID19 hat Unternehmen und ihre Mitarbeitenden in eine disruptive Krise mit noch unabsehbaren Folgen gestürzt. Resiliente Unternehmen bewegen sich stets zwischen Bewahrung, Reorganisation und Wachstumsphase. So lassen sich auch Krisen erfolgreich meistern. Die Widerstandskraft wird durch spezielle Ressourcen genährt.

Auf welche Ressourcen sich Unternehmen für die Widerstandskraft in der Krise stützen, dazu ist Dr. Martina Pfister-Kraxner, eine der beiden Partnerinnen von linchpin OG | Transforming for good, im Gespräch mit Daniela Schlick, strategit.

strategit: Bevor wir tiefer thematisch eintauchen, würde ich mich sehr freuen, wenn du uns etwas zu deiner Person und deinem Werdegang erzählst.

Pfister-Kraxner

Dr. Martina Pfister-Kraxner, linchpin OG | Transforming for good

Pfister-Kraxner:
Als ausgebildete Psychologin war meine erste berufliche Station in der internationalen Personalentwicklung. Es folgten spannende Jahre als Personalleiterin, bis ich vor 7 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit machte. Als Beraterin, Trainerin und Coach darf ich nun meine berufliche Leidenschaft, nämlich Menschen in ihrer Potenzialentfaltung sowie in Zeiten beruflicher sowie privater Veränderung zu begleiten, leben.

Widerstandskraft – auf diese Ressourcen stützen sich Unternehmen in der Krise

strategit: Heute sehen sich Führungskräfte wie Mitarbeiter mit traumatischen Ereignissen konfrontiert. Selbst stressresistente, widerstandsfähige Menschen, kann die gegenwärtige Krise aus dem Gleichgewicht bringen. Um aus der Schieflage in die Stabilität zu gelangen, können Ressourcen aktiviert werden. Welche dieser Ressourcen sind es deiner Erfahrung nach, die unsere Widerstandskraft gezielt fördern?

Pfister-Kraxner:  Wir erleben alle eine vollkommen neue, globale Situation, die wir bislang lediglich aus Science Fiction Filmen kennen. Etwas, womit wir noch nie konfrontiert wurden und das für viele irritierend im Hinblick auf ihr Freiheitsverständnis wirkt. Ja, und diese neue Unsicherheit und Irritation können nun auch unsere Widerstandskraft ins Wanken bringen. Aus meiner Sicht sind es die folgenden Faktoren, die unsere Resilienz stützen:

  • Ein realistischer Optimismus hilft, darauf zu vertrauen, dass diese Krise zeitlich begrenzt ist und dass Gesellschaften sich danach wieder neu konstituieren werden. Vielleicht auch mit neuen Errungenschaften. Dieser Optimismus erlaubt es uns auch, eine Antwort auf die Frage „Wofür ist das eine Gelegenheit“ zu finden.
  • Auch die erlebte Selbstwirksamkeit, also sich nicht als Opfer, sondern als Gestalter zu sehen ist ein wesentlicher Punkt. Zugegeben, sich selbst als wirksam zu erleben, ist für viele aktuell eine große Herausforderung. Doch genau hier liegt der Unterschied.
  • Es kommt darauf an, dass wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können. Lenke ich meinen Fokus auf etwas, das mich weiterbringt und das mir persönlich gut tut oder vertreibe ich mir einfach irgendwie meine Zeit?
  • Und schließlich brauchen Menschen eine stärkende soziale Eingebundenheit. Allein das Wissen, dass es Menschen gibt, die für einen da sind, die unterstützen, senkt nachweislich den Stresshormonspiegel im Körper. Gute soziale Beziehungen, Familie und Freund*innen sind immens wichtig, um die psychische Widerstandskraft zu stärken.

Psychische Belastung infolge der COVID-19-Pandemie

strategit: Unternehmer und Mitarbeitende bereiten sich auf die Rückkehr ins Büro vor. Allerorts wird über Schutz- und Hygienemaßnahmen nachgedacht. Doch darf auch die erlebte psychische Belastung infolge der COVID-19-Pandemie nicht vergessen werden. Möglicherweise braucht es für die Mitarbeitenden zusätzliche, unterstützende Maßnahmen.  Aus deiner Expertensicht heraus, was wären fünf wesentlichsten Punkte, die Arbeitgeber berücksichtigen sollten, um belastete Teammitglieder bei der Krisenbewältigung zu unterstützen?

Pfister-Kraxner: 

  1. Viele Mitarbeiter*innen werden womöglich mit einem von Unsicherheit behafteten Gefühl zurück ins Büro kehren und nicht genau wissen, wie es mit dem Unternehmen weitergeht. Vom Unternehmen ist hier bestmögliche Transparenz über die aktuelle wirtschaftliche bzw. strategische Ausrichtung gefordert, also offene Kommunikation „at its best“.
  2. So unterschiedlich wir Menschen alle sind, so verschieden sind natürlich auch die Erwartungshaltungen bzw. Bedürfnisse. Dennoch, es wäre wichtig von Unternehmensseite ein großes Verständnis dafür zu signalisieren, dass einige ihrer Mitarbeiter*innen – und hier sprechen wir laut einer Studie vorangig von Frauen bzw. Müttern – durch Homeoffice und Homeschooling doppelt gefordert wurden. Hier reicht meist schon eine respektvolle und anerkennende Haltung seitens der Führungskräfte aus.
  3. Oftmals ist eine „hausinterne“ Unterstützung nicht möglich, da sich Mitarbeiter*innen gegenüber den Führungskräften oder Kolleg*innen nicht verletzbar zeigen wollen. Hier sollten externe Coaches als stützende und stärkende Begleiter in Betracht gezogen werden, um so auf neutralem Terrain den Blick auf Ressourcen und Chancen lenken zu können.
  4. Eine weitere Empfehlung wäre, in den jeweiligen Teams Zeitfenster zu schaffen, wo die vergangenen Wochen und Monate gemeinsam, idealerweise mit externer Moderation reflektiert und die entsprechenden Erfahrungen und Learnings daraus gezogen werden können.
  5. Dem Management von vielen Unternehmen, die dem Homeoffice sehr skeptisch gegenübergestanden sind, konnten in den letzten Wochen erleben, dass diese Arbeitsform eine win-win Lösung ist. Sie hat sich nämlich im Vergleich zur Präsenzvariante als eine nicht minder effektive Arbeitsweise bewährt und ist gleichzeitig für Mitarbeiter von großem Vorteil. Dort wo es sinnvoll und machbar erscheint und vor allem für Mitarbeiter*innen eine Erleichterung darstellt, sollte Homeoffice angeboten bleiben.

strategit: Ob die Belegschaft mit voller Kraft am Re-start mitwirkt, hängt nicht nur von der Widerstandsfähigkeit jedes Einzelnen und der des Unternehmens ab. Auch die Arbeitsgestaltung und die Beziehung der Führungskräfte zu den Mitarbeitenden wiegen schwer. Martina du stärkst Teams und Führungskräfte in Phasen der Neuausrichtung. Hast du eine Empfehlung für Unternehmer, die den Auftakt zum Re-start Projekt planen?

Pfister-Kraxner: Ich erlebe sehr häufig, dass Führungskräfte nicht ausreichend zwischen People Management und Team Management unterscheiden. Damit meine ich, dass die Kommunikation zu sehr auf Teamebene passiert, und die individuelle, persönliche Ebene vernachlässigt wird. Als Führungskraft bin ich gerade in Zeiten wie diesen mehr denn je gefordert, mein ehrliches Interesse an den Mitarbeiter*innen in ganz persönlichen Gesprächen zu zeigen. Teammanagement folgt danach. Beispielsweise könnte hier ein Team-Workshop eine nächste Intervention sein, in der reflektiert wird, wie die Teamarbeit bzw. Teamdynamik während der Zeit der physischen Distanz erlebt wurde. Wer hat hier im Team welche Rolle, welche Funktion übernommen, wo wurden womöglich neue Fähigkeiten entdeckt? Und vor allem, was können wir für den neuen Alltag weiterführen, weiterentwickeln oder verändern?

strategit: Abschließend noch eine Frage: Was macht euer Unternehmen besonders? Warum arbeiten Unternehmen gerne mit linchpin OG zusammen?

Pfister-Kraxner: Linchpin bedeutet Stütze oder Dreh- und Angelpunkt. Und so sehen wir uns und denken wir unsere Rolle. Wir begeistern uns für Unterschiedlichkeit und Vielfalt von Menschen und Organisationen. Ich denke, dieses ehrliche Interesse am Menschen ist es, das unsere Klient*innen wahrnehmen und schätzen.

Vielen Dank Martina für das anregende Gespräch, deine Expertise und Inspiration.

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